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Methylenblau bei ME/CFS: Aussagen zur Energie und verzögerte Symptome

Methylenblau ist nicht als wirksame Behandlung von ME/CFS belegt. Bei den Literaturrecherchen für diesen Artikel wurde keine kontrollierte Studie an Patientinnen und Patienten gefunden, die zeigt, dass es bei dieser Erkrankung die postexertionelle Malaise (PEM) verringert oder die anhaltende Alltagsfähigkeit verbessert. Laborbefunde erklären, warum diese Frage Forschende interessiert. Für Betroffene beantworten sie die Frage bislang nicht.
Die wichtigste Unterscheidung besteht zwischen dem Gefühl, jetzt mehr Energie zu haben, und der Fähigkeit, etwas wiederholt zu tun, ohne dass es einem später schlechter geht. Ein Bericht über Ersteres kann Letzteres nicht belegen.
ME/CFS ist mehr als anhaltende Müdigkeit
Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom ist eine Erkrankung, die zu erheblichen Einschränkungen führt und ein charakteristisches Symptommuster aufweist. Zu den von den CDC zusammengefassten Diagnosekriterien gehören eine erhebliche Einschränkung des Aktivitätsniveaus gegenüber der Zeit vor der Erkrankung über mehr als sechs Monate, durch Ruhe nicht wesentlich gelinderte Fatigue, PEM und nicht erholsamer Schlaf. Zusätzlich müssen kognitive Beeinträchtigungen oder orthostatische Intoleranz vorliegen. Orthostatische Intoleranz bedeutet, dass sich Symptome in aufrechter Körperhaltung verschlimmern.
Diese Kriterien erfordern eine klinische Beurteilung, bei der auch andere Erklärungen berücksichtigt werden. Fatigue allein belegt kein ME/CFS, und Ergebnisse von Menschen mit gewöhnlicher Müdigkeit lassen sich nicht ohne Weiteres darauf übertragen.
PEM ist eine Verschlechterung des Krankheitszustands nach körperlicher oder geistiger Anstrengung, die die betroffene Person zuvor vertragen konnte. Wie die CDC in ihren Hinweisen zur klinischen Versorgung erläutern, wird die Verschlechterung häufig erst 12 bis 48 Stunden später erkennbar und kann Tage oder Wochen anhalten. Eine Beurteilung am Nachmittag kann daher eine wichtige Folge der Aktivität vom selben Vormittag übersehen.
Was die Mitochondrienforschung tatsächlich beiträgt
Mitochondrien helfen dabei, Nährstoffe in nutzbare Energie für die Zellen umzuwandeln. Methylenblau kann an Oxidations- und Reduktionsreaktionen teilnehmen, indem es Elektronen aufnimmt und abgibt. In den Experimenten von Wen und Kollegen aus dem Jahr 2011 unterstützte es unter Versuchsbedingungen einen alternativen Weg der Elektronenübertragung von NADH auf Cytochrom c. Kultivierte Nervenzellen zeigten einen veränderten Sauerstoffverbrauch. Die Forschenden untersuchten außerdem Rattenmodelle mit Parkinson-ähnlichen Schädigungen und zerebraler Ischämie. Dies waren Labor- und Tierversuche, keine Behandlungsstudien zu ME/CFS.
Es gibt auch krankheitsspezifische Stoffwechselforschung. Tomas und Kollegen untersuchten Immunzellen aus dem Blut von Menschen mit CFS und gesunden Kontrollpersonen und fanden Unterschiede in der oxidativen Phosphorylierung, insbesondere bei der maximalen Zellatmung. Der Endpunkt war das Verhalten der entnommenen Zellen in Laboruntersuchungen. Die Patientinnen und Patienten erhielten kein Methylenblau, und die Studie erfasste keine Verbesserung der PEM nach einer Behandlung.
Andere Befunde erschweren eine einfache Erklärung im Sinne einer „geringen Energieproduktion“. In der Studie von Fluge und Kollegen mit 200 Erkrankten und 102 gesunden Teilnehmenden deuteten Aminosäuremuster auf einen veränderten Energiestoffwechsel hin. Muskelzellkulturen, die dem Serum von Erkrankten ausgesetzt wurden, zeigten eine erhöhte mitochondriale Atmung zusammen mit einer übermäßigen Laktatabgabe. Unterschiedliche Zellen und Versuchsbedingungen können unterschiedliche Muster ergeben. „Mehr Zellatmung“ ist daher kein selbsterklärender Marker für eine Erholung.
Die Schlussfolgerung, die diese Studien mit einer Behandlung verknüpft, enthält einen ungeprüften Schritt: Ein Arzneimittel, das die Elektronenübertragung verändert, müsste auch den relevanten Krankheitsprozess in den relevanten Geweben verbessern, ohne Schäden zu verursachen, die den Nutzen aufwiegen. Auch bei den allgemeineren Aussagen zu Methylenblau und Mitochondrien ist diese Trennung zwischen Mechanismus und Ergebnis erforderlich.
Tabelle zu Evidenz und Ergebnissen
| Evidenz oder Aussage | Was sich damit belegen lässt | Was für ME/CFS noch erforderlich ist |
|---|---|---|
| Methylenblau verändert die Zellatmung in Nervenzellen | Ein biochemischer Effekt in einem definierten Laborsystem | Evidenz dafür, dass der Effekt den Krankheitszustand verbessert und nicht lediglich ein Laborergebnis verändert |
| Blutzellen von Erkrankten zeigen bioenergetische Unterschiede | Ein Zusammenhang zwischen Krankheitsstatus und zellulären Messwerten | Ein Behandlungsvergleich, der einen klinisch bedeutsamen Nutzen zeigt |
| Jemand berichtet nach der Einnahme von erhöhter Wachheit | Die Erfahrung dieser Person zu diesem Zeitpunkt | Eine Erfassung verzögerter Symptome, unerwünschter Wirkungen und der Alltagsfähigkeit über mehrere Tage hinweg |
| Ein Fatigue-Wert verbessert sich | Eine Veränderung eines festgelegten Symptommaßes | Ob sich auch PEM, Schlaf, kognitive Fähigkeiten und notwendige Alltagsaktivitäten verbessern |
| Es treten weniger Einbrüche auf, während die Aktivität deutlich abnimmt | Eine Veränderung, die mit geringeren Anforderungen einhergeht | Ob die Verbesserung auf eine Anpassung der Aktivität, die Behandlung, natürliche Schwankungen oder mehrere Faktoren zurückzuführen ist |
Die Diskussion auf Phoenix Rising über Methylenblau veranschaulicht Fragen von Betroffenen zu Erfahrungen, Sicherheit und Produktqualität. Solche Gespräche können Anliegen aufzeigen, die eine Untersuchung verdienen. Ihnen fehlen jedoch der kontrollierte Vergleich und die einheitliche Nachbeobachtung, die erforderlich sind, um die Wirksamkeit einer Behandlung zu bestimmen.
Beurteilen Sie die folgenden Tage, nicht nur die gute Stunde
Betrachten wir eine hypothetische Person, die sich am Montag geistig klarer fühlt und mehr Zeit mit der Bearbeitung ihrer Korrespondenz verbringt. Am Dienstag benötigt sie Hilfe bei der Zubereitung von Essen; am Mittwoch ist ihre Konzentration weiterhin schlechter als üblich. Den Montag als Verbesserung zu bezeichnen, ohne Dienstag und Mittwoch zu dokumentieren, würde klinisch wichtige Informationen ausblenden. Ebenso wäre es verfrüht, die Verschlechterung einer Substanz oder der zusätzlichen Aktivität zuzuschreiben, ohne den gesamten Verlauf zu berücksichtigen.
Aussagekräftige Ergebnisse umfassen die Schwere und Dauer der PEM, die Fähigkeit, persönlich wichtige Aktivitäten zu wiederholen, die Erholungszeit und den benötigten Unterstützungsumfang. Für eine Person kann es wichtiger sein, eine kurze Nachricht lesen oder sich selbstständig waschen zu können, als eine Veränderung eines Laborwerts. Diese Prioritäten sollten jedes ärztliche Gespräch prägen.
Für das Aktivitätsmanagement empfiehlt NICE einen individuellen Ansatz innerhalb der aktuellen Energiegrenzen und rät von Programmen mit festgelegten schrittweisen Steigerungen der körperlichen Aktivität ab. Eine vorübergehende Besserung rechtfertigt es nicht, die Belastungsgrenze durch mehr Anstrengung auszutesten.
Ein Tagebuch für Aktivitäten und verzögerte Symptome
Verwenden Sie das ausdruckbare Tagebuch im Textformat, um Ihren Alltag für ein ärztliches Gespräch zu dokumentieren. Es dient als Beobachtungshilfe, nicht als diagnostisches Bewertungssystem oder als Plan für einen Versuch mit Methylenblau. Erfassen Sie nur, was für Sie machbar ist. Eine Betreuungsperson kann helfen, und fehlende Einträge sind in Ordnung.
Wählen Sie zwei oder drei für Sie persönlich nützliche Anhaltspunkte, etwa wie lange Sie lesen können, die Zubereitung von Essen oder die benötigte Hilfe beim Waschen. Beschreiben Sie, was tatsächlich passiert ist, statt eine Aufgabe auszuführen, um Ihre Leistungsfähigkeit zu messen. Erfassen Sie, soweit relevant, körperliche, kognitive, emotionale und sensorische Anforderungen sowie Anforderungen durch eine aufrechte Körperhaltung. Halten Sie auch Ruhephasen und bereits vorgenommene Änderungen an Medikamenten oder Routinen fest.
| Zeitpunkt | Aktivität und Kontext | Symptome und Alltagsfähigkeit |
|---|---|---|
| Vor einer gewöhnlichen Aktivität | Datum/Uhrzeit; vorangegangene Aktivität; Schlaf | Übliche Symptome an diesem Tag; bereits benötigte Hilfe |
| Währenddessen oder kurz danach | Was passiert ist; ungefähre Dauer; Sitzen, Stehen oder Liegen | Unmittelbare Symptome; Aufgabe abgeschlossen, verkürzt oder abgebrochen |
| Am nächsten Tag | Neue Anforderungen und Ruhephasen | Neue oder verstärkte Symptome; Zeitpunkt ihres Beginns; Veränderungen der Fähigkeiten im Alltag |
| Am zweiten Tag | Neue Anforderungen und Ruhephasen | Anhaltende oder verzögerte Verschlechterung; benötigte Hilfe |
| Bei Bedarf an späteren Tagen | Kurze Angaben zum Tageskontext | Rückkehr zum üblichen Ausgangszustand oder anhaltende Veränderung |
Bringen Sie den dokumentierten Verlauf zum Termin mit, einschließlich der Tage, an denen sich scheinbar nichts verändert hat. Fragen Sie, ob scheinbare Verbesserungen bei ähnlichen Anforderungen, mit mehr Unterstützung oder mit deutlich mehr Ruhe auftraten. Ein individuelles Tagebuch kann keine Kausalität beweisen, aber ein kurzes Beratungsgespräch aussagekräftiger machen.
Sicherheit gehört zur Frage nach der Behandlung
Methylenblau ist pharmakologisch wirksam. Die US-amerikanische Fachinformation zu intravenösem PROVAYBLUE bezieht sich auf erworbene Methämoglobinämie, nicht auf ME/CFS. Sie warnt vor einem schwerwiegenden Serotoninsyndrom bei gleichzeitiger Anwendung serotonerger Arzneimittel und Opioide. Zudem ist die Anwendung bei G6PD-Mangel wegen des Risikos einer hämolytischen Anämie kontraindiziert. Diese Fachinformation für die Injektionslösung bestätigt kein Schema zur oralen Selbstbehandlung.
Bringen Sie eine vollständige Liste Ihrer Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zu einem ärztlichen Gespräch über Methylenblau mit. Setzen Sie eine verordnete Behandlung nicht ab, um Methylenblau einzunehmen. Zu klären ist, ob krankheitsspezifische Evidenz einen bedeutsamen Nutzen für Sie stützt und wie sich verzögerte Verschlechterungen sowie relevante unerwünschte Wirkungen erkennen lassen.